Berufliche Standortbestimmung

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Berufliche Standortbestimmung - ultimativer Leitfaden für Berufseinsteiger, Berufsumsteiger und Berufsaufsteiger


Eine kleine Nachlese zur Localjob Messe 2019 in Erding.

 

Eine berufliche Neu- oder Umorientierung gleichen einer Ballonfahrt. Der Ballonfahrer bestimmt das Ziel, eine punktgenaue Landung wie bei einem Flugzeug ist jedoch nicht möglich.

Der Heißluftballon lässt sich nicht wirklich lenken, der Ballon driftet alleine mit dem Wind. Es gibt keine technischen Hilfsmittel die Richtung eines Heißluftballons zu verändern. Doch genau in diesem Augenblick kommt das Fingerspitzengefühl des Ballonfahrers zum Tragen.

Mit der Berufswahl oder einer beruflichen Umorientierung verhält es sich ähnlich. Nicht immer legen wir auf Anhieb eine perfekte Landung hin.

 

 

Leitfaden zur Berufsorientierung


Der folgende Leitfaden bietet Ihnen als Berufseinsteiger, Wiedereinsteiger oder Berufsumsteiger eine gute Grundlage, eine berufliche Standortbestimmung vorzunehmen.

 

Die Checkliste unterstützt Sie dabei, die für Sie beste Entscheidung für Ihren Beruf/Ihre Berufung zu treffen. Entscheiden Sie unabhängig von den Vorstellungen Ihrer Eltern, Ihres Partners usw. Es ist Ihr Beruf und Sie werden „darin leben“.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Finden.


Herzlichst
Christine Riederer

 

 

Berufliche Standortbestimmung



Hinterfragen Sie sich selbst. Ihre Argumente, Ihre Beweggründe, Ihre Emotionen und Gefühle. Ist das der Job, der zu mir passt? Verspüre ich Begeisterung, wenn ich mir vorstelle, diesen Beruf auszuüben? Wann ist ein Jobwechsel sinnvoll? Welche beruflichen Ziele möchte ich verfolgen? War das jetzt schon alles – möchte ich die nächsten zehn Jahre den aktuellen Job ausüben? Nicht nur Berufsanfänger stellen sich solche typischen Fragen. Halten Sie Ihre Ideen, Antworten, Fragen etc. schriftlich fest (OneNote, Kladde, Sprachaufzeichnung etc.). Solange Sie alles nur im Kopf durchdenken, bleiben Ihre vielfältigen Betrachtungen nur ein Gedankenwirrwarr, das sich bald zu einem unlösbaren Knoten verdichtet. Moderne Lebensläufe beinhalten die verschiedensten beruflichen Stationen: zwei Berufsausbildungen, diverse Jobwechsel und Branchenwechsel im selben Lebenslauf sind keine Seltenheit. Arbeitnehmer fühlen sich in ihrem beruflichen Umfeld unwohl, sind unzufrieden mit ihren Aufgaben oder ihrem Gehalt oder Ihrem Chef. Andere wiederum wollen etwas Neues ausprobieren, weil sich Branche oder Berufsbild gewandelt haben, andere haben ihren Job verloren. Das Thema Karriereplanung betrifft Absolventen, Arbeitslose sowie erfahrene Berufstätige. Das Bildungssystem und die verlängerte Lebensarbeitszeit bieten viele Chancen. Das heißt aber auch: Wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden. Und sie beeinflussen den weiteren beruflichen Verlauf. Die persönliche und berufliche Standortbestimmung ist eine gute Grundlage, um die für sich beste Entscheidung zu treffen. Sie ist wichtig, um herauszufinden, ob ein Karrierewechsel tatsächlich die Lösung ist, wenn man sich im Beruf unzufrieden fühlt oder demotiviert ist. Denn wer seinen Job, seinen Beruf, den Arbeitgeber oder die Branche wechseln will, sieht das oft als einzige Alternative zur aktuellen Situation. Die Frustration liegt meistens entweder an spezifischen Aspekten des aktuellen Arbeitsplatzes, die erörtert werden sollten, oder sie liegt tiefer – bei der eigenen Persönlichkeit. Bevor Sie also etwas unternehmen, sollten Sie sich ausreichend Zeit nehmen, um das Problem, das hinter Ihrem Wunsch steht, zu verstehen: Wo besteht konkreter Veränderungsbedarf und wann ist vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem eignen Leben nötig? Andernfalls kann ein Karrierewechsel zu einer großen Enttäuschung werden, statt das erhoffte Glück zu finden. Anhand folgender Aspekte können Sie herausarbeiten, welche Wünsche Sie an den Job haben, der am besten zu Ihnen passt.

 

Die Analyse Ihrer Fähigkeiten, die bestenfalls Ihren Vorlieben entsprechen, sagen etwas über Aufgabengebiet und Funktion aus, die gut zu Ihnen passen. Stimmen Ihre ermittelten Fähigkeiten nicht mit Ihren aktuellen Aufgaben überein, spricht das dafür, einen Wechsel Ihrer beruflichen Funktion zu erwägen. Analysieren Sie Ihre Erfolgserlebnisse. Welche Fähigkeiten haben Ihnen dazu verholfen?


Für einige Menschen ist es wichtig, dass ihre persönlichen und beruflichen Wünsche in Einklang stehen. Denn sonst würden sie in einen Wertekonflikt geraten, der sie auf Dauer unzufrieden macht, der sogar krank machen kann. Eine Werteanalyse hilft Ihnen, das eigene Wertesystem zu ergründen. Werte wie Fairness und Respekt vor Lebewesen sind eine Grundlage für das Handeln. Sie sind manchmal auch der Grund dafür, warum etwas nicht so läuft wie gewünscht. Zum Beispiel verzichten einige auf ein höheres Gehalt, weil sie es ablehnen, für einen Rüstungskonzern zu arbeiten. Oder Sie verzichten auf eine Karriere in einem Pharmaunternehmen, weil es Tierversuche durchführt.

Die Gründe, warum Menschen ihre Arbeit gerne machen, sind sehr unterschiedlich. Die Frage „Was möchte ich für meine Arbeit erhalten?“ beantwortet jede Person anders. Die einen streben nach Anerkennung, Unabhängigkeit oder Macht, während andere ein Bedürfnis nach Ordnung, Zugehörigkeit, Kontakt oder Idealismus haben, andere wiederum sind leistungs-, wettbewerbs- oder familienorientiert. „We value, what we want and we want, what we value“, wir schätzen, was wir wollen und wir wollen, was wir schätzen. So bringt es der Psychologe Steven Reiss auf den Punkt.

Wenn die bekannte Chemie zwischen Menschen, mit denen man beruflich zu tun hat, nicht stimmt, kann das sehr belastend sein. Schließlich verbringen Berufstätige einen Großteil des Tages mit ihren Chefs, Kollegen oder Kunden. Volker Kitz und Manuel Tusch machen in ihrem Buch „Das Frustjobkillerbuch“ darauf aufmerksam, dass die Situation durch einen Jobwechsel nicht zwangsläufig besser wird. Denn in einem anderen Job gebe es ähnliche Probleme, so ihre These. Vielmehr sollten Berufstätige den Job, den sie haben, zu dem machen, den sie wollen. Klar ist auch, dass wir andere Menschen nicht ändern werden, sonder nur uns selbst.

Bei der spezifischen Gestaltung der Arbeit gilt das Sprichwort „Love it, change it or leave it“. In diesem Zusammenhang könnte das in etwa bedeuten: Wenn Ihnen die Arbeitsbedingungen Ihrer aktuellen Tätigkeit nicht gefallen, dann haben Sie drei Möglichkeiten: • die Arbeitsbedingungen lieben zu lernen (love it), • darauf hinzuwirken oder dazu beizutragen, dass sich die Bedingungen ändern (change it) oder • die Arbeitsbedingungen zu verlassen (leave it). Machen Sie sich klar, mit welchen Aspekten der Arbeitsgestaltung Sie leben können und mit welchen Sie keinesfalls leben wollen oder können, zum Beispiel aufgrund gesundheitlicher Beschwerden. Die Arbeitsumgebung zum Beispiel hat einen größeren Einfluss auf Zufriedenheit und Gesundheit als zunächst vermuten lässt. Sie kann aber zugleich auch Ansporn sein, etwas zum Besseren zu verändern – zum Beispiel durch eine Weiterbildungsmaßnahme aufsteigen zu wollen, um nicht mehr körperlich schwer arbeiten zu müssen.

Der Blick auf den Gehaltszettel kann Berufstätige demotivieren. Ein Faktor, vor allem vieler Berufseinsteiger, ist ein unrealistisches Gehalts zu erwarten. Ein weiterer Faktor, der diejenigen betrifft, die sich umorientieren: Sie beginnen auch beim Gehalt von Neuem, also unten – selbst wenn sie aufgrund ihrer Berufserfahrung mehr erwartet haben. Die Erwartungshaltung beeinflusst die Wahrnehmung. Daher haben Berufstätige oft den Eindruck, zu wenig zu verdienen. Viele Karriereratgeber weisen darauf hin, dass ein höheres Gehalt nicht das entscheidende Motiv für die Planung der nächsten Karriereschritte sein sollte. Bei der Frage des künftigen Gehalts in der ersten Position oder im neuen Job sollten Sie immer folgende Aspekte bedenken: Wie hoch ist das für Sie persönlich passende Einkommen? Welches Gehalt kann Ihr Arbeitgeber bezahlen – zum Beispiel in Hinblick auf die Unternehmensgröße? Welches Gehalt ist üblich – bezogen auf die Branche, die Aufgaben, die Verantwortung sowie den Standort? Wie hoch ist das für Sie persönlich passende Einkommen? Wie viel ist genau richtig für Sie?

Nicht jede Branchen ist für jeden Menschen die passende. Die einen wollen lieber mit Produkten arbeiten, die Sie selbst nutzen, die anderen mit Produkten, die für andere hilfreich sind. Überlegen Sie: • Können Sie sich mit den Produkten aus Ihrem Tätigkeitsfeld identifizieren? • Befürworten Sie, was Sie verkaufen, herstellen oder vertreiben oder lehnen Sie das ab? • Würden Sie diese Produkte selbst nutzen? • Was bemängeln Sie an diesen Produkten? Eine Ursache für Ihre berufliche Unzufriedenheit kann in der Abneigung gegenüber Ihrer Branche liegen. Wenn das so ist, spricht das dafür, einen Wechsel Ihrer Branche zu erwägen.

 

Prüfen Sie Ihre Berufswahl auf mögliche Hindernisse.

 

Öko-Check

Sinn und Zweck des Öko-Checks ist, dass jede Intervention (Veränderungsarbeit) auf Nachteile überprüft wird. Gibt es Gründe, die gegen diese Veränderung sprechen?

Jede Veränderung ist eine Chance. Doch jede Veränderung hat auch Auswirkungen auf das gesamte System (Familie, Freunde etc.) und darin können sich möglicherweise Hindernisse und unerwünschte Nebenwirkungen verbergen.

Das System ist ständig bemüht den Zustand der Stabilität zu erhalten und Veränderungen stehen vordergründig zunächst im Widerspruch zur Stabilität. Daher ist es besonders sinnvoll zunächst zu überprüfen, ob die Anstrengung zur Veränderung überhaupt lohnenswert ist, oder ob es vielleicht das falsche Ziel ist.

Der Öko-Check dient der Überprüfung, ob das Ziel für Sie selbst (innen) und für Ihr System (außen) wirklich sinnvoll ist.–  Entspricht das Ziel Ihren Werten?–  Entspricht das Ziel Ihrem Wesen, Ihrem Charakter?–  Gibt es Gründe, die gegen eine Veränderung sprechen?–  Welche Auswirkungen hat die Veränderung auf Ihr Umfeld   (Freunde, Familie, Partner etc.)?–  Wen betrifft es noch, wenn Sie…?–  Wie würden XY reagieren, wenn Sie Ihr Ziel erreichen?–  Wie werden Sie damit umgehen, wenn Ihr Umfeld mit Ihrem Ziel nicht   einverstanden sein wird?–  Inwieweit verändert sich Ihr Leben?

 

Quellen und Links sowie Bücher und Zeitschriften*:

• Link – jobwohl.ch, eine hervorragend Seite zum Thema Berufsorientierung – mit jeder Menge kostenloser Formblätter zum Herunterladen

• Link zu biz.scout.de, einem Portal, das Job, Business und Ausbildung beleuchtet

• Richard Nelson Bolles: Durchstarten zum Traumjob, 2012. Ein       ultimativer Ratgeber für Ein-, Um- und Aufsteiger.

• Ursula M. Wagner: Das Kairos-Prinzip, 2013

• Volker Kitz und Manuel Tusch: Das Frustjobkillerbuch, 2010

• Reinhard Schmid und Claire Barmettler: Weiterkommen in Arbeit & Beruf, 2008

• Steven Reiss: Wer bin ich und was will ich wirklich?, 2009

 

Bildquelle: yourservant.de

 

 

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