Besser fragen mit ZEN

Besser Fragen mit ZEN

Lesedauer: 3 Min.


Beruflich sehe ich, dass Menschen sich scheuen, ihre Fragen loszuwerden. Sie halten sich stattdessen lieber zurück. Gründe hierfür sind meistens die Sorge (teilweise Ängste), unzulänglich zu erscheinen, einzugestehen, dass sie etwas nicht wissen, die Sorge, etwas versäumt bzw. nicht bedacht zu haben usw.

 

Fragen stellen ist theoretisch betrachtet, relativ ein; praktisch hingegen sehen sich Menschen enormen Hürden gegenüber, wenn es um das Hinterfragen geht.

 

Unser Hirn ist eine Vergangenheit- und Zukunft-Maschine. Alles Denken ist (bewusst oder unbewusst) mit dem, was wir erfahren haben verbunden. Und aus dem, was wir wissen und was uns widerfahren ist, schauen wir in die Zukunft und bilden unsere Prognosen.

 

Auf diese Weise entsteht ein Tunnel. Wir erkennen nicht, wie sehr wir der Vergangenheit verhaftet sind, und dass es unseren Blick auf die Zukunft verengt. Dieser Tunnelblick stellt sich auch hinsichtlich unserer Fragestellungen ein.

 

Je größer unsere Fachkompetenz oder langjährige Erfahrung, desto schwieriger ist es, Fragen zu stellen. Fragen stellen bedeutet an und für sich nur, neugierig und aufgeschlossen zu bleiben.

 

 

Besser fragen mit ZEN

 

Gelingt es uns, unseren Erinnerungstank zu leeren und unseren Geist freizumachen, von dem war wir meinen schon zu wissen, kann Fortschritt, Innovation und Evolution entstehen. Auch bezüglich unserer Fragestellungen.

 

Das Bewusstsein des Fragenden ist leer; frei von den Gewohnheiten des Experten.

Shunryo Suzuki, Sōtō-Zen-Meister

 

 

Der Anfängergeist des ZEN

Um uns in diesem leeren Bewusstsein zu üben, ist es erforderlich, vorgefasste Meinungen aufzugeben. Mit anderen Worten, Denken wird wesentlich leichter, wenn wir uns nicht von der Last unserer Geschichten und Erwartungen niederdrücken lassen. Wir erweitern damit unseren Blick und öffnen uns stattdessen für die Chancen, die sich bieten.

 

Es gibt eine ZEN-Geschichte von einem Meister und seinem Schüler, in der Letztere immer mehr von sich und dem, was er gelernt hat, eingenommen ist. Der Lehrer lädt ihn zum Tee ein und füllt seine Tasse, bis sie überfließt. Entsetzt ruft der Schüler aus: „Aber Meister, die Tasse ist doch schon voll“. Worauf sein Lehrer erwidert. „Wie kann ich Dich unterrichten, wenn auch Dein Geist schon voll ist?“

 

Im Bemühen um den Anfängergeist des ZEN ist es nicht nötig, dass wir die Jahre unserer Erfahrung einfach vergessen. Wir verwechseln das, was wir gestern gelernt haben, nur nicht mit unseren heutigen, neuen Entdeckungen. Wir entwickeln eine flexiblere Betrachtungsweise zu dem, was gerade geschieht.

 

 

Fragen schaffen gute Beziehungen

Falls wir in eine Situation geraten, in der wir schon wiederholt waren, gehen wir nicht automatisch davon aus, dass die Sache erneut einen bestimmten negativen Ausgang nehmen wird oder sich eine Person wieder einmal so verhalten wird wie bisher. Wir geben der Sache eine andere Wendung und betrachten sie so, als wäre es das erste Mal, das uns diese widerfährt. Erstaunt stellen wir fest, dass bisher kontrovers geführte Gespräche auf einmal eine andere Wendung nehmen.

 

Fragen erweitern unseren Horizont, zwischen dem bisherigen und dem, was zukünftig sein kann. Neugier und Spontanität kehren in unser Leben zurück und wir denken nicht mehr: „Kenn und weiß ich schon, ist abgehakt“. Wir werden wie Kinder und erleben vieles, als sei es das erste Mal.

 

 

Kultivieren Sie Fragen stellen

Fragen ist das Beste, was wir mit dem menschlichen Hirn machen können. Die Antworten bilden die Basis für weitere kluge und sinnvolle Fragen. Zu bedenken bleibt, dass es auf die Haltung ankommt, mit der Fragen gestellt werden. Denn Frage ist nicht gleich Frage. Es kommt immer auf die Haltung an, mit der wir sie stellen. Uns selbst und anderen Menschen.

 

Ein weiterer wichtiger Nutzen: Mit Fragen können wir einen Menschen wirklich kennen lernen. Stellen Sie sich vor, Sie machen eine neue Bekanntschaft – ganz egal, ob nun beruflich oder privat – und während der ersten Zeit würde keiner von beiden auch nur eine Frage stellen. Ein Gespräch käme gar nicht zustande und mit dem Kennenlernen wäre es vorbei.

 

Fragen zeugen von unserem Interesse und legen den Grundstein für späteres VertrauenIch wünsche Ihnen viel Freude beim Fragen.

 

Herzlichst

Christine Riederer

 

Bildquelle: pixabay.com / Free-Photos / CC0

 

erdverbunden, einfach natürlich, mittendrin und "direktemang"