Chef sein macht einsam

//Chef sein macht einsam

Einsamkeit an der Spitze

 

Je höher die Position in der Unternehmensspitze angeordnet ist, umso mehr wächst die „Einsamkeit“ der Führungskraft.

 

Führungskräfte bekommen selten ein offenes, persönliches Feedback je exponierter ihre Stellung im Unternehmen ist. Dies stützt die These, dass Entscheidungsgewalt einsam macht.

 

Die Einsamkeit des Chefs hängt nicht nur mit der Kultur des jeweiligen Unternehmens zusammen. Die Luft an der Spitze im Unternehmen ist nicht nur dünn, sondern bisweilen auch kalt. Mitarbeiter begegnen ihren Bossen mit gewisser Distanz. Mit zunehmender Entscheidungsgewalt der Bosse wächst das Misstrauen der Belegschaft in „die da oben“.

 

Die skizzierte Einsamkeit ist für viele Führungskräfte erst spürbar, wenn sie die Karriereleiter entsprechend hoch gestiegen sind und feststellen, dass der Wunsch nach Austausch und Reflektion auf Augenhöhe wächst.

Aufgrund eines fehlenden adäquaten Reflexionspartners kann dieser Wunsch nicht befriedigt werden. Auch gehen viele Führungskräfte mit der Einsamkeit und dem daraus wachsenden Wunsch nach Austausch sehr diskret um, um keine falschen Rückschlüsse, in Bezug auf ihre Führungsfähigkeit, auszulösen.

 

Warum ist „man“ so diskret?

Es gibt viele Gründe, warum Vorgesetzte sich für ihren Job qualifiziert haben. Aber mit überschwänglichem Lob von oben oder auch Bestleistungen in seinem Bereich, hat die Führungskraft nicht das Freilos, sich als alleiniger „Star“ in seiner Abteilung zu sehen. Gute bis exzellente Ergebnisse erzielt der Vorgesetzte nur mit seinem Team gemeinsam.

 

Mit der Position als Führungskraft ist viel Macht verbunden. Schnürt man das Paket der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern nicht richtig, erntet man statt Anerkennung eher Angst und Misstrauen.

 

Macht entfremdet – auch Führungskräfte untereinander. Anfänglich ist dies kaum spürbar, es ist ein schleichender Prozess. Die Erkenntnis der Führungskraft, dass etwas nicht stimmt, führt nicht zur Besserung, sondern primär zu einer weiteren Entfremdung. Ein Teufelskreis den es gilt zu zerbrechen, bevor man selbst zerbrochen ist.

 

Einige unter Ihnen haben folgende Situation vielleicht schon erlebt: Der Chef betritt den Raum und plötzlich herrscht Stille. Aus den sich angeregt unterhaltenden Mitarbeitern werden stumme Angestellte, die sich hinter den Bildschirmen verkriechen oder in Papiere vertiefen.

 

Chef sein macht einsam – wieso?

Weitere Ursachen für die Entfremdung oder Vereinsamung liegen in folgenden klassischen Fehlern, die Führungskräfte machen.

Im normalen Tagesgeschäft wird von Chefs unbewusst oft eine Menge Porzellan zerschlagen. Eine schlechte Organisation, zu wenig Interesse für die persönlichen Belange der Mitarbeiter können irreparable Schäden anrichten. Mitarbeiter fühlen sich nicht ernst genommen oder zum „Angestellten ohne Gehirn“ degradiert.

 

Ein weiterer Fehler ist, wenn Führungskräfte zu große Nähe zu ihren Mitarbeitern suchen bzw. pflegen, wegen des Gefühls der Zugehörigkeit. Auf Dauer untergraben sie so jedoch ihre Autorität und tun sich in wichtigen Momenten schwer, gegenüber ihren Beschäftigten durchzusetzen.

Dies ist häufig der Fall, wenn die Führungskraft aus dem Kollegenkreis aufgestiegen ist.

 

Ein anderes Extrem – welches genauso schädlich ist: Vorgesetzte fragen zu wenig, weil sie der Meinung sind fragen bedeutet Schwäche.

 

Für viele Führungskräfte sind Fragen „Was erwarten Sie von mir als Vorgesetzter?“ oder „Mein Gefühl sagt mir, die Stimmung im Team ist nicht gut, sehe ich das richtig?“ immer noch streng tabu. Ebenso abwegig erscheint manchen Führungskräften die Vorstellung, mit Ihren Mitarbeitern „Jahresgespräche“ zu führen.

 

Was sagen Studien?

Machen wir noch einen kleinen Ausflug zu den Erkenntnissen aus Studien zur Macht der Führungskräfte:

 

Es gibt wenige Studien, die sich der Frage widmen, warum Führungskräfte außerhalb von ökonomischen oder strukturellen Faktoren ihre Macht wieder verlieren und sich dem Phänomen widmen, dass Mächtige ihre soziale Umwelt falsch einschätzen und dadurch scheitern.

 

Je größer die Macht, desto mehr entfremdet sich der Machtinhaber, die Führungskraft von seiner sozialen Umwelt. Er bemüht sich nicht mehr um andere und hört auf, in seine soziale Kompetenz zu investieren. Dabei bemerkt die Führungskraft nicht, dass er die Sympathien seiner Mitstreiter/seines Teams –und damit seine Macht- verspielt.

 

Was genau ist Macht?

Macht ist die Fähigkeit, eine andere Person oder Gruppe zu beeinflussen, sowie Ressourcen zur Verfügung zu stellen oder diese wieder zu entziehen.

 

Also, Macht wird von oben nach unten ausgeübt. Wie bei einem Marionettenspieler, der alle Fäden zieht.

Doch einigen Führungskräften ist längst bewusst, dass Chefs nicht mit Puppen arbeiten, sondern mit Menschen, die sich von den Fäden ganz einfach wieder trennen können. Macht wird wechselseitig vergeben und kann von den Personen, die geführt werden auch wieder entzogen werden.

 

Was Sie gegen die Einsamkeit tun können

  • Wichtig ist, dass Führungskräfte von Zeit zu Zeit ihre Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung überprüfen und sich selbstkritisch hinterfragen, um evtl. notwendige Korrekturen im Führungsverhalten bzw. in der Führung vorzunehmen. Unter Umständen unter Einbeziehung eines externen Sparringspartners. Oder durch den intensiven Austausch mit Führungskräften anderer Unternehmen.
  • Keine Machtausübung von oben nach unten. Die klassische Hierarchie, die in den Zeiten der Industrialisierung gute Dienste geleistet hat, funktioniert im digitalen Zeitalter nicht mehr.
  • Mitarbeiter fordern und fördern, motivieren, verstärkt kommunizieren und die Einbindung des Teams in die Vision und die Umsetzung der Unternehmensziele wird zum zentralen Führungsthema.
  • Der respektvolle Umgang mit den Mitarbeitern stärkt Ihre Position als Führungskraft.
  • Führungskraft sein ist nicht gleichbedeutend mit führen zu können.
  • Führen ist lernbar. Die Führungskraft muss jedoch bereit sein, sich selbst zu reflektieren und an sich zu arbeiten.

 

Dann, dessen bin ich mir sicher, macht Führen auch nicht einsam. Oder vertreten Sie eine andere Meinung?

 

Herzlichst

Klaus Brandstätter

Bildquelle: www.123RF.com/Katarzyna Białasiewicz/30733291/09.04.2017

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