Das Paradoxon der Veränderung

//Das Paradoxon der Veränderung

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Veränderung lässt sich nicht erzwingen, weder durch sich noch durch andere Personen. Das zeigt sich schon darin, dass ca. 70 % der Veränderungsprozesse in Unternehmen scheitern. Und die zum neuen Jahr gefassten Vorsätze bleiben meistens auch auf der Strecke.

 

Entwicklung entsteht, wenn wir einen Blick aus verschiedenen Perspektiven auf Bestehendes werfen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns selbst oder unser Unternehmen betrachten. Um einen Überblick über eine Situation zu erhalten, müssen wir uns ein Bild unseres gesamten „Hauses“ verschaffen.

 

Sich die Zeit nehmen und erkennen, dass es Mühe macht, sich zu hinterfragen, passt offensichtlich nicht mehr in unsere schnelllebige Welt. Herauszufinden, zu sein, wer, wie und was man ist, schafft den Rahmen und den Raum für unser Wachstum und wirkliche Innovation. Und erst wenn wir den Sinn einer Veränderung für uns erkennen, werden wir das Commitment für die Vision entwickeln. Nach dieser Erkenntnis sind wir bereit, ungewohnte Wege zu gehen.

 

Von Arnold R. Beisser stammt folgendes Zitat:

 

Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist,

nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.

 

Arnold R. Beisser war ein US-amerikanischer Psychiater und Gestalttherapeut. Er hatte an der Stanford Universität Medizin studiert und die nationalen Tennismeisterschaften gewonnen. Im Alter von 25 Jahren erkrankte er an Kinderlähmung und war fast vollständig gelähmt. Im nachfolgenden Auszug seines Buches „Wozu brauche ich Flügel“ beschreibt er eindrucksvoll seine Versuche, mit diesem radikalen Einschnitt, der sein Leben komplett veränderte, fertig zu werden.

 

Das was Arnold R. Beisser beschreibt, ist ein Weg, den ich auf eine andere Weise gegangen bin. Lange Zeit habe ich gegen eine Veränderung gekämpft, statt sie anzunehmen. Ich habe einen Weg gefunden, es mir leichter zu machen. Sicher ist der Weg noch nicht beendet. Denn Lernen dauert ein Leben.

Erlauben Sie mir, die Worte von Arnold R. Beisser für sich sprechen zu lassen, denn sie sprechen mir aus der Seele.

 

 

„Das Paradoxon der Veränderung

…. Meine Behinderung hat mich gelehrt, dass es auch eine andere Form von Veränderung gibt. Nur mit Widerstreben und aufgrund von Fehlschlägen habe ich sie entdeckt. Ich sah mich einer Situation gegenüber, die durch keinen Aufwand an Arbeit, Anstrengung, Planung oder Mühe zu bewältigen war.

 

An allen Fronten vernichtend geschlagen, musste ich lernen, aufzugeben und anzunehmen, wie ich geworden war und nicht hatte sein wollen. Aus meiner Aufgabe und der Annahme dessen, was ich mir nicht ausgesucht hatte, erwuchs das Wissen um eine neue Art von Veränderung und eine neue Lebensweise, das ich nicht erwartet hatte. Es war eine paradoxe Veränderung.

 

Als ich aufhörte, zu kämpfen und an einer Änderung zu arbeiten, als ich Wege fand, anzunehmen, wie ich bereits geworden war, entdeckte ich, dass ich mich gerade dadurch veränderte. Anstatt mich behindert oder unzulänglich zu fühlen, wie ich befürchtet hatte, fühlte ich mich wieder ganz. Ich erlebte ein Wohlbefinden und eine Fülle, die ich zuvor nicht gekannt hatte. Ich fühlte mich nicht nur eins mit mir selbst, sondern auch mit dem Universum.

 

Es war keine Veränderung, die von Kampf, Arbeit und Mühe geprägt war, sondern eher die Entdeckung, wie es möglich ist, nicht zu kämpfen, nachzugeben, einen Schritt beiseite zu treten und die Wahrheit deutlich werden zu lassen. Es war keineswegs die tragische Wahrheit, die ich erwartet hatte.

 

Als ich bereit war, mich mit den Bedingungen zu konfrontieren, die mir unerträglich und undenkbar erschienen, veränderten sie sich in ihrer Wirklichkeit. Sie wurden von etwas Schrecklichem zuerst zu etwas nur Annehmbarem und dann zu etwas Interessantem und Erfüllendem. Ich erfuhr, dass es nicht immer nötig ist zu kämpfen, um seinen Platz in der Welt zu finden, denn ich entdeckte den Platz, den ich schon in mir hatte. Je mehr ich mit diesem Platz vertraut wurde und mich auf ihn verlassen konnte, desto mehr fand ich heraus, dass es einen Platz in der Welt für mich gab.

 

Ich hörte auf, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich aus meiner misslichen Lage herauskommen könnte, und begann stattdessen, mich auf sie einzulassen. Dabei entdeckte ich, wie ihre unangenehmen und inakzeptablen Aspekte sich veränderten. Sobald ich mir gestattete, vollständig zu sein, wie und wer ich in diesem Moment war, ohne mir Gedanken über den folgenden zu machen, änderte sich dieser Moment, und ich änderte mich.

 

Manchmal empfinde ich die Fülle, die ich hier und jetzt erlebe, umfassender als jemals zuvor. Es gibt dann keinen Wunsch, kein Defizit, nichts Größeres oder Kleineres, nichts Stärkeres oder Schwächeres. Es gibt nur das, was ist. Und das ist genug…..“

 

 

Fazit

Der Weg der Veränderung beginnt mit der Erkenntnis: Es ist gut, wie es ist.

Die neue Sicht auf Bestehendes schafft Freiraum sich zu entwickeln. Loslassen und aufhören, sich unnötige Gedanken zu machen. Sich einlassen können.

Hier beginnt mutige Selbstführung. Sich zu hinterfragen und tiefer einzusteigen, statt an der Oberfläche dahin zu dümpeln.

Für erfolgreiche Selbstführung braucht der Mensch Wissen. Wissen über sich selbst. Unwissenheit löst Stress aus, und führt zum Widerstand. Wissen kann Widerstände auflösen. Selbstkenntnis und systematische Selbstentwicklung sind das Fundament eines selbstbestimmten und sinnspendenden Lebens.

 

 

Herzlichst

Christine Riederer

 

Bildquelle: pixabay.com

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