Dem Mitarbeiter zuhören – nicht immer leicht

//Dem Mitarbeiter zuhören – nicht immer leicht
Dem Mitarbeiter zuhören - fällt nicht immer leicht. Eine Führungsgeschichte mit viel Humor.

Lesezeit: ca. 4 Min.

Eine Führungsgeschichte

 

Eine Mitarbeiterin, angestellt als Sekretärin der Geschäftsleitung, sollte die Geschäftsführer eines kleineren Betriebes in deren täglichen Arbeit entlasten. Ein Partner war nach ca. 4monatiger Einarbeitungszeit bedingt mit den Arbeitsergebnissen zufrieden. Der zweite Partner war höchst unzufrieden. Sehr leistungsbezogen und ein Zeit- und Selbstmanagement-Freak. Ein Perfektionist, was die Qualität und die Quantität der Arbeitsergebnisse anbelangte. Also nicht unbedingt ein Sympathieträger für seine Mitarbeiterin. Am Ende des Tages waren für ihn einfach zu wenige Aufgaben mit mäßiger Sorgfalt erledigt. Telefonate nicht geführt, Formulare nicht entworfen, Kundenbriefe schlummerten in der Schublade etc.

 

Besser einarbeiten

Bewaffnet mit allen möglichen Führungsinstrumenten und ausgebildet als Coach machte sich der Geschäftsführer daran, die Mitarbeiterin noch besser in ihre Aufgabe einzuarbeiten. Es gab bereits eine Superstellenbeschreibung. Mit allen Details, was wann wie täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich zu tun war. Trotz alledem blieben die Arbeitsergebnisse weit hinter dem zurück, was die Stellenbeschreibung beinhaltete.

 

Die Mitarbeiterin war gebildet und aufgeschlossen. Sie brachte alle Voraussetzungen mit, diese Aufgaben erledigen zu können. Auch an der nötigen Motivation schien es ihr nicht zu fehlen.

 

Zeit- und Selbstmanagement Coaching – eine Alternative?

In seiner Verzweiflung bot der Geschäftsführer seiner Mitarbeiterin kostenfreie Coaching-Sessions während der Arbeitszeit zu den Themen Zeit- und Selbstmanagement an. Dieses Angebot wurde dankend abgelehnt. Stattdessen formulierte Sie die Bitte „Ich möchte in Ihr Brain“. Diese Aussage überging der Geschäftsführer, denn mit diesen Worten konnte er nichts anfangen.

 

 

Was also tun?

Kündigen? Das war keine Option, ohne näher darauf einzugehen.

Der Geschäftsführer konnte gut abschätzen, welche Aufgaben innerhalb eines Tages zeitlich bei der Sekretärin machbar waren. Ohne die Mitarbeiterin in ein Burnout zu treiben. Er setzte sich also daran, abends eine ToDo-Liste für den nächsten Tag zu erstellen. Diese ToDo war von der Sekretärin am nächsten Tag abzuarbeiten. Auch bat er die Mitarbeiterin nachmittags, bevor sie nach Hause ging, um eine Statusmeldung. Natürlich besprach der Geschäftsführer im Vorfeld diese Vorgehensweise mit seiner Mitarbeiterin, ob sie damit einverstanden sei. Dies wurde begrüßt. Darüber war der Geschäftsführer mehr als irritiert.

 

Aber siehe da. Die Zusammenarbeit funktionierte auf einmal auf wundersame Weise. Der Geschäftsführer konnte es zunächst kaum fassen. Es war unvorstellbar für ihn, dass man einem Mitarbeiter Aufgaben detailliert vorschrieb.

 

 

Dem Mitarbeiter zuhören

Was der Geschäftsführer jedoch verkannte war die Tatsache, dass seine Vorstellungen von Leistung nicht mit der seiner Sekretärin konform gingen. Klar wurde ihm auch, und darüber konnte er herzhaft lachen, dass er seiner Sekretärin hätte nur besser zuhören müssen.

 

Sie hatte ihm in den Anfängen nämlich regelmäßig geantwortet, wenn es um die erledigten Aufgaben ging: „Ich möchte in Ihr Brain“. Und das hatte er kategorisch abgelehnt, ohne näher zu hinterfragen.

 

Als mir der Geschäftsführer über seine Erfahrung berichtete, lachte er während des Erzählens herzhaft. Für ihn war diese Situation ein Beispiel dafür, wie Menschen längere  Zeit erfolgreich aneinander vorbeireden. Auf zeitliche Distanz gesehen war ihm klar geworden, worauf es in der beschriebenen Situation wirklich ankam. Auf das Zuhören und auf das Hinterfragen. Und auf das in Frage stellen seiner eigenen Vorannahmen.

 

 

Fazit

Wenn Sie also das nächste Mal mit einem Mitarbeiter oder einem Kollegen um gegenseitiges Verständnis ringen, fragen Sie sich einfach: Was bräuchte der andere, um Verständnis in dieser Sache zu erzielen? Was Sie?

 

Beispielsweise weniger emotionales Aufregen, weniger Druck, dem anderen etwas begreiflich machen zu wollen, weniger Lautstärke, weniger negative Gedanken zur Intelligenz des anderen, weniger Perfektionismus, weniger von …

 

Und selbst wenn am Ende des Austausches zunächst ein Statement steht:
„Wir haben Einverständnis darüber erzielt, dass noch kein Einverständnis besteht. Lassen Sie uns weiter am Verständnis arbeiten“.

 

 

Herzlichst Euer

Klaus Brandstätter

Bildquelle: pixabay.com/ Coleur / CCO

geschätzt besonders in unsicheren Zeiten, ideenreich, fortschrittlich