Gut zuhören können

//Gut zuhören können

Ohren auf                                                                           Lesezeit: ca. 4 Min.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Teilnehmer folgender Gesprächssituation.

 

„Vor kurzem diskutierten wir mit Kollegen bereichsübergreifend über das Thema Digitalisierung und Transformation und ihre Auswirkung auf die Bereiche der Unternehmensführung. In unserer Runde saß ein offensichtlicher Befürworter der Digitalisierung. Jemand, der sehr fasziniert ist von den technischen Möglichkeiten der Zukunft. Voller Begeisterung und in schillernden Farben zeichnete er ein Bild davon, wie revolutionäre Techniken alle Bereiche unseres Unternehmen beeinflussen werden. Angefangen von den Prozessen, den Produkten, den Dienstleistungen bis hin zum Marketing, ja sogar bis hin zum gesamten Geschäftsmodell.

 

Im Laufe der Diskussion meldete sich ein vermeintlicher Gegner der Digitalisierung zu Wort. Im ersten Moment erschien es einigen Teilnehmern der Runde so, als wäre er der viel zitierte „Ja, aber-Typ“, der immer etwas dagegen einzuwenden hat. Egal wie gut der Nutzen und die Argumente sind, die man ihm anbietet.

 

Ein kleiner Einblick in die Äußerungen des „Ja, aber-Typs“

„Immer schneller und flexibler sollen alle werden. Transformation, ein Wort im Munde von vielen. Viele plappern es doch einfach nach. Nur wenige wissen, was es wirklich bedeutet. Und dann das Wort „Agilität“. Das kann ich ehrlich gesagt auch nicht mehr hören. Waren wir bisher nicht agil? Bist Du nicht agil, dann bist Du nicht zeitgemäß. Meiner Meinung nach, lassen sich Firmen offensichtlich schnell davon überzeugen, Prozesse und Strukturen zu verändern. Ohne wirklich über ihre Situation und eine sinnvolle Strategie nachgedacht zu haben …..“ Er redete sich so richtig in Rage.

 

Diese Aussagen machten den anderen Teilnehmern nicht wirklich Lust, näher auf seine Äußerungen einzugehen.

 

Wie hätten Sie reagiert?

Mal ganz ehrlich. Hätten Sie den Ja, aber-Typ einfach übergangen?

 

Im ersten Moment ging es mir ähnlich. Doch ich kenne meinen Kollegen schon länger. Ich wusste, dass er technischen Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Offensichtlich passte da etwas nicht zusammen. Nur was?

Deshalb zog ich, nachdem die Diskussion zwischen Befürworter und vermeintlichem Gegner der Digitalisierung eine Weile hin und her gegangen war, ein kurzes Resümee.

 

Was kam dabei zur Sprache?

Wirklich gute Fragen, die unser Kollege (der Ja, aber-Typ) im Eifer des Gefechts leider noch nicht zum Ausdruck gebracht hatte. „ bei allen Diskussionen vergessen wir doch eins: Wo bleibt bei dem Ganzen der Mensch? Wie nehmen wir unsere Mitarbeiter mit? Wie gehen wir mit den Ängsten und Fragen unserer Mitarbeiter im Rahmen der Digitalisierung und Transformation um?“

 

 

Gute Kommunikation braucht also aufmerksame Zuhörer und Zuhörerinnen, um unseren Gesprächspartnern Raum für deren Gedanken und Ideen einzuräumen. Wie oft erleben wir, dass uns andere nicht zuhören, sondern vorschnell interpretieren und reagieren.

 

 

Gut zuhören – Zusammenfassung für Eilige

Gutes Zuhören bedeutet, das, was der andere sendet, vollständig wahrzunehmen.

 

Vollständig wahrnehmen können wir den anderen, wenn wir folgende Teilaspekte anwenden:

  1. Sich zuwenden – im Sinne von aufmerksam, aufgeschlossen, Zeit haben, Nähe entwickeln
  1. Verstehen zeigen – das Gesagte wiedergeben und die wahrgenommenen Gefühle des anderen versinnbildlichen
  1. Undeutliches/Unverständliches entschlüsseln – d.h., die eigentliche Botschaft aus dem vielleicht umständlich Formulierten herausfiltern
  1. Reden fördern – statt abzuwürgen. Die berühmte Loriot-Technik anwenden. Reagieren Sie erst einmal mit einem abwartenden „Ach“ oder „Ja, und?“ Vielleicht noch ergänzt um: „Was wollen Sie jetzt tun?“ Und vor allem – halten Sie es aus, wenn dann nicht sofort die ideale Lösung kommt. Sondern probieren mit weiteren „Ja, und?“ oder „Was noch?“ oder „Und weiter?“
  1. Harmonie herstellen – die andere Person da abzuholen, wo er ist (siehe unter 2.) und nicht wo man selbst gerade steht.

 

Moderne Führung braucht emotionale Kompetenz, Selbsterkenntnis und Einfühlungsvermögen, und eine gehörige Portion Gemeinschaftssinn.

 

 

Eine Frage zum Schluß

Wem in Ihrem Unternehmen (Ihrem Team) sollten Sie zuhören, damit Digitalisierung und Transformation in Ihrem Unternehmen gelingt?

 

Herzlichst

Christine Riederer

Bildquelle: pixabay.com/tpsdave

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