Konzept gefällig

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Gibt es ein Konzept?

Ich erinnere mich, dass wir während unserer Ausbildung zum systemischen Business-Coach unsere Trainer immer wieder mit der Frage löcherten: „Gibt es ein Konzept – einen Leitfaden“ für den Ablauf einer Coaching-Sitzung bzw. einer Prozessberatung. Unsere Dozenten gaben uns den Hinweis, das, was wir gelernt hatten, einfach in der Praxis anzuwenden und umzusetzen. Nur leider war dieser Rat damals den wenigsten von uns hilfreich. Wir wollten unbedingt einen Leitfaden, eine Vorgehensweise, an der wir uns entlang hangeln konnten. Das Vorhandensein eines Leitfadens gab uns vermeintliche Sicherheit.

Sicherheit in welcher Situation? Erworbenes Wissen in die Praxis bringen und dem Klienten (Person, Gruppe oder Organisation) helfen. Eine Lösung für seine Situation zu finden? Wie sollte bzw. wie könnte eine Lösung für den Klienten aussehen? Wie sollte das funktionieren? Ich verfügte doch noch nicht über ausreichend Erfahrung in diesem Bereich.

Bloß nichts übersehen

Es gab so vieles zu beachten. Die Person, die Hilfe sucht. Egal ob es sich um eine Person, eine Gruppe oder ein Unternehmen handelt. Die „individuelle Welt“ des Klienten verstehen. Das Umfeld, in der sich der Hilfesuchende bewegt (Familie, Unternehmen, Partnerschaft etc.). Das Unternehmen, die Organisation selbst. Die Interessen des Unternehmens, sofern es sich um einen „geschickten Klienten“ handelte. Damals schien es mir mehr als kompliziert. Ja beinahe unmöglich, all diese Faktoren in meiner Arbeit mit Menschen zu würdigen. Was passiert, wenn ich etwas davon vergesse und nicht beachte?

Heute – einige Jahre später – ist mir dank der Arbeit mit unseren Klienten klar, dass formales Wissen nur ein Baustein von mehreren Bausteinen im helfenden Beruf ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Coaching, Führung, Team- oder Organisationsentwicklung handelt. Können und Know-How entwickelt sich durch Handeln, durch Tun. Die größte Hilfe geht jedoch davon aus, wenn ich bereit bin, meine Expertenrolle aufzugeben und eine helfende Haltung einnehme. Sich mit der aktuellen Wirklichkeit des Klienten auseinander setzen. Das was gerade ist, an- und aufzunehmen und damit arbeiten. Darum geht es.

Konzept gefällig?

Verzichtete ich darauf, nach einem vorgefertigten Konzept vorzugehen, hatte ich das Gefühl, meine Arbeit nicht ordentlich erledigt zu haben. Meine Erfahrung hat mir diesbezüglich jedoch einige Lektionen verpasst. Wenn ich mir selbst bei meinen Bemühungen zusah, anderen zu helfen, gelangte ich immer wieder auf dieselben einfachen Wahrheiten.

  • Den Klienten dabei helfen, ihre Probleme und die dahinter stehende Dynamik zu verstehen und
  • selbst zu lösen.
  • Den Klienten beteiligen, im eigenen Rhythmus zu lernen. Selbst wenn die Schritte noch so klein erscheinen mögen.

Zugegeben, diese Haltung einzunehmen, fällt nicht immer leicht.

Anzumerken bleibt, dass sich unter dem Begriff „Hilfe“ alle Punkte (Informationen, Wissen, Ideen, Empfehlungen etc.) zusammen finden, die dazu dienlich sind, diese drei einfachen Wahrheiten umzusetzen. Die helfende Haltung erlaubt dem Klienten, Verantwortung für sein(e) Problem(e) zu übernehmen und vernünftig darüber zu entscheiden. Egal ob er eine Umfrage, ein Veränderungs-programm oder eine Klausurtagung haben will.

Meine tiefe Überzeugung, dass zuerst der Aufbau einer Beziehung kommen sollte, rührt von den Erfahrungen aus meiner Arbeit. Zu häufig sehe ich, dass nur wenig von dem erreicht wird, was der Klient sich wünscht und vorstellt, obwohl sehr viel Geld ausgegeben wurde.

Herzlichst

Christine Riederer

Bildquelle: © Wilfried Iven /stocksnap.io

erdverbunden, einfach natürlich, mittendrin und "direktemang"