Neue Berater braucht das Land

//Neue Berater braucht das Land
Neue Berater braucht das Land

Innere Haltung und Einstellung des Beraters

 

Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen „Was hat meine Haltung als Berater mit dem Kunden zu tun? Der Kunde sagt mir doch, wo ihn der Schuh drückt und ich sage ihm, wie er sein Problem löst und alle sind zufrieden.“

So kann man´s  sehen und bestimmt –kurzfristig- Geld verdienen. Aber ist das für den Kunden und auch für mich als Berater zielführend?

Diese Haltung und Einstellung schürt die Vorurteile gegenüber den Beratern. Es kommen Kommentare wie  „Wer sonst nichts kann berät halt andere“. Oder  „über die Probleme anderer Leute zu reden muss man nicht erst erlernen“: Und im Extremfall „Berater kommen, labern, kassieren, gehen“

 

Es geht auch anders

Beratung kann in kritischen Situationen helfen, eine andere unterstützende Sicht auf seine Situation zu bekommen. Oder neue Wege aufzeigen. Damit für Beratungssuchende ein hilfreicher und wertvoller Prozess stattfindet, erfordert es unter anderem einen aufmerksamen und geübten Blick auf das Beratungsgeschehen.

 

Einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf eines Gespräches hat die Haltung des Beraters. Seine Einstellung dem Kommunikationsprozess gegenüber, seine Erwartung an sich und die Erwartungen des Ratsuchenden.

Im Beratungsprozess geht es den Ratsuchenden weit mehr als nur um reine Wissensvermittlung. Sie wollen verstehen, eingebunden sein, motiviert und begeistert werden und – in der Eigenverantwortung gestärkt werden.

 

Die Ansätze des Psychologen Carl Rogers aus der Gesprächspsychologie finden auch in der Beratung Einfluss. Die drei Haltungen die Carl Rogers festlegte, sind

  • unbedingte Wertschätzung (des Beraters für den Klienten)
  • Kongruenz ( Echtheit des Beraters)
  • Empathie (Einfühlungsvermögen)

 

Worauf kommt es an?

Ausgehend davon, dass wir uns in Beratungen immer mit Systemen beschäftigen (Unternehmen – Abteilungen – Teams – Führungskräfte) möchte ich Ihnen einige wichtige Aspekte, wie sie auch in der systemischen Beratung genutzt werden, vorstellen.

In der Beratungspraxis haben sich Haltungen herauskristallisiert, die als grundsätzliche Annahmen des Beraters oder Beraterin  betrachtet werden können.

  • Auffassung über Probleme und deren Lösungen bzw. Veränderungen
  • Subjektivität der Ansichten
  • Kooperative Rollenbeziehung zwischen Berater und Klient

 

Was heißt das im Einzelnen?

Die grundsätzliche Funktion von Beratung ist es, Lösungsmöglichkeiten zu entdecken und nutzbar zu machen. Zielführender ist es also Lösungsvisionen und Lösungsschritte und deren Auswirkungen zu kommunizieren, als über das Problem zu reden.

Wichtig  – nicht das Problem verstärken, sondern heraus helfen. Für die Ziele des Klienten beraten, nicht für die eigenen.

Der Klient übersieht oft – da er auf sein Problem fixiert ist -, dass er lösungsorientierte Ressourcen schon im Hause hat. Diese „schlummernden“ Ressourcen zu aktivieren ist von enormer Bedeutung für dauerhafte Lösungen.

 

Wo bleibt die Verantwortung?

Die Verantwortung für das Handeln darf der Berater nicht dem Klienten abnehmen. Inhaltliche oder bewertende Stellungnahmen zu Problemen oder Lösungsversuchen sollen immer dem Klienten überlassen werden, mit dem Ziel beim Klienten nützliche Suchprozesse auszulösen.

Der Berater präferiert keine eigene Lösung, sondern verhält sich nicht-bewertend gegenüber den Lösungsideen. Die Bewertung und Umsetzung der Lösungen ist dem Klienten überlassen. Die Lösung muss zum Klienten passen. Die Veränderungen vom Klienten aus gehen. Der Berater begleitet ihn bei der Umsetzung.

Das heißt, eine partnerschaftliche Beziehung gestalten, um der Berater für einen Experten in eigener Sache zu sein. Der Berater darf nicht die Verantwortung für die Lösung übernehmen, sondern nur für den gemeinsamen Suchprozess.

Klienten agieren in Abhängigkeit ihrer jeweiligen subjektiven Sichtweise und ihrem Anliegen und tragen für ihr Tun die volle Verantwortung.

 

Offen sein und bleiben

Zusammengefasst ist es für die innere Haltung und Einstellung des Beraters wichtig, dass

  • er authentisch und kongruent ist,
  • sich seinem Klienten gegenüber wertschätzend verhält und
  • auf gleicher Augenhöhe sieht,
  • sich zurücknimmt und
  • seinem Gegenüber Raum und Zeit gibt,
  • zuhört, den Klienten ausreden lässt, nachfragt und
  • auch Feedback gibt.

Als Berater hat eines oberste Priorität: Den Menschen ernst zu nehmen. Ihm Respekt entgegenzubringen in all seinem Sein und Tun. Seinen Blick für die persönlichen Stärken zu öffnen und Mut zu machen, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Im Mit- und Füreinander liegt der Schlüssel zum Erfolg.

 

Herzlichst Euer

Klaus Brandstätter

Bildquelle: your servant

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geschätzt besonders in unsicheren Zeiten, ideenreich, fortschrittlich