Sie können eine Person nicht ändern! (1/2)

//Sie können eine Person nicht ändern! (1/2)
Wort verändern mit dem Buchstaben ä auf dem Kopfstehend

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Nein, Sie können eine andere Person nicht ändern!

Man kann jemanden inspirieren, unterstützen, ermutigen – aber man kann ihn nicht ändern. Im heutigen Beitrag geht es um die Punkte, die unternommen werden, und darum, weshalb sie selten funktionieren. Ich nenne es das „IMEG-Syndrom“ (ich meine es gut-Syndrom).

In Teil 2/2 verrate ich Ihnen 3 Ideen, was Sie stattdessen tun können!

 

 

Sie können eine Person nicht ändern (1/2)

 

Wir alle haben diese eine Person – diese eine Person in unserem Leben, von der wir uns immer wieder sagen: „Wenn sie doch nur…“. Monat für Monat, Jahr für Jahr – wir lieben sie, wir sorgen uns um sie, aber wenn wir das Licht ausmachen oder den Hörer auflegen, denken wir uns: „Wenn sie doch nur…“.

 

Vielleicht ist es ein Familienmitglied. Vielleicht ist sie depressiv. Ein gebrochenes Herz. Mutlos. Vielleicht glaubt sie nicht an sich selbst. Und jedes Mal, wenn Sie sie sehen, versuchen Sie, ihr mit Liebe und Zuversicht zu erfüllen, machen Sie ihr Komplimente für ihren neuen Sweater und erzählen ihr, wie bescheiden ihr eigener neuer Haarschnitt ist. Nur um sie aufzumuntern. Sie ermutigen sie beiläufig und geben unaufgefordert ein paar Tipps, empfehlen ein oder zwei Bücher und sagen sich schweigend:

„Wenn sie nur an sich glauben würden…“

 

Oder vielleicht ist es ein Freund. Vielleicht sehen Sie ihn an allen Ecken versagen. Er trinkt zu viel. Er betrügt seine Partnerin. Gibt sein gesamtes Geld für seltsames Hobby aus. Sie nehmen ihn beiseite und schenken ihm aufmunternde Worte, die man von Freunden erwartet. Vielleicht bieten Sie ihm an, einen Blick auf seine Finanzen zu werfen und ihm vielleicht sogar das eine oder andere Darlehen zu gewähren. Währenddessen denken Sie im Hinterkopf weiter:

„Wenn er nur seinen Sch… auf die Reihe bekäme…“

 

Es kann aber genauso gut eine Person in Ihrem beruflichen Umfeld sein. Ihr Chef, Ihre Kollegin oder Ihr Kollege.

 

Sie klammern sich weiter an die Hoffnung, dass die Person sich irgendwie ändern wird. Dass es den einen besonderen Impuls gibt, den Sie verpasst haben und der bei dem anderen alles ändern würde. Vielleicht kaufen Sie ihm weiterhin Bücher, die er nie lesen wird. Vielleicht wollen Sie ihn sogar zu einem Therapeuten schleppen, zu dem er nicht gehen will.

Als ob das jemals funktioniert hätte!

Veränderung initiieren

Wir alle haben solche Personen in unserem Leben. Sie zu lieben tut weh. Aber sie zu verlieren tut ebenfalls weh. Also beschließen wir, dass der einzige Weg darin besteht, sie irgendwie zu verändern.

„Wenn sie nur…“

 

Coaching-Sitzungen beinhalten die Frage ebenfalls: „Wie bringe ich ihn/sie dazu, sich zu ändern? Wenn sie nur X machen würde, wäre alles besser.“

Und meine Antwort war in jeder Situation dieselbe: „Das können Sie nicht.“

 

Man kann niemanden dazu bringen, sich zu ändern!

Man kann sie inspirieren, sich zu ändern. Man kann sie zur Veränderung ermutigen. Man kann sie in ihrer Veränderung unterstützen.

Aber man kann sie nicht dazu bringen, sich zu ändern.

 

Das liegt daran, dass es entweder Zwang oder Manipulation erfordert, jemanden dazu zu bringen, etwas zu tun, selbst wenn es nur zu seinem eigenen Wohl ist. Es erfordert ein Eingreifen in ihr Leben in einer Art und Weise, die eine Grenzverletzung darstellt, und es wird daher der Beziehung schaden – in manchen Fällen mehr, als es hilft.

Grenzverletzungen

Das sind Grenzverletzungen, die oft unbemerkt bleiben, weil sie mit so guten Absichten geschehen.  Ein Beispiel: David hat seinen Job verloren.  David liegt auf der Couch seiner Mutter, ist pleite und tut sich jeden Tag selbst leid. Also fängt Mama an, Bewerbungen für David zu schreiben. Mama schreit David an, beschimpft ihn und redet ihm Schuldgefühle ein, weil er so ein Verlierer ist. Vielleicht wirft sie ihm sogar seinen Gaming Monitor aus dem Fenster, nur um ihm den Extra-Schub an Motivation zu geben.

 

Mamas Absichten mögen zwar gut sein, aber diese Art von Verhalten schlägt letztendlich fehl. Es ist eine Grenzverletzung. Es bedeutet, Verantwortung für die Handlungen und Emotionen einer anderen Person zu übernehmen, und selbst wenn man es mit den besten Absichten tut, versauen Grenzverletzungen Beziehungen.

 

 

Eine andere Brille aufsetzen

Denken Sie einmal anders darüber nach. David tut sich selbst leid. David kämpft damit, irgendeinen Sinn darin zu sehen, in dieser grausamen, herzlosen Welt zu leben. Dann kommt plötzlich Mama herein und zerstört aus Wut seinen Gaming Monitor, während sie gleichzeitig versucht, ihm einen Job zu besorgen.

 

Was für ein Widerspruch. Das löst auf keinen Fall Davids Problem. Er glaubt, die Welt sei grausam und herzlos und er habe keinen Platz in ihr. Es ist ein weiterer Beweis für David, dass mit ihm etwas grundlegend falsch läuft.

 

Wenn David nicht so ein Versager wäre, bräuchte er schließlich nicht seine Mutter, um ihm einen Job zu besorgen, oder?

Statt dass David lernt: „Hey, die Welt ist in Ordnung, ich komme damit zurecht“, lautet die Lektion: „Oh ja, ich bin ein erwachsener Mann, der seine Mutter immer noch braucht, um alles für ihn zu tun – ich wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt.“

Veränderung beginnt im Herzen

Auf diese Weise gehen die besten Versuche, jemandem zu helfen, oft nach hinten los. Man kann jemanden nicht dazu bringen, selbstbewusst zu sein, sich selbst zu respektieren oder Verantwortung zu übernehmen – denn die Mittel, die man dabei einsetzt, zerstören Vertrauen, Respekt und Verantwortung.

 

Damit eine Person sich wirklich verändern kann, muss sie das Gefühl haben, dass die Veränderung die ihre ist, dass sie sie gewählt hat, dass sie sie kontrolliert. Andernfalls verliert Veränderung ihre ganze Wirkung.

 

Das Vorstehende gilt auch für berufliche Situationen. Zum Paradoxon von Veränderung hier mehr lesen.

 

In Teil 2/2 verrate ich Ihnen 3 Ideen, was Sie stattdessen tun können, um anderen in deren Veränderungsprozessen zu helfen!

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